Vielleicht. Das wird zumindest immer wieder behauptet.
Was vermutlich öfter kommt: Weiße Haare.
…oder zumindest graue Haare. Falten. Flecken.
Das ist die zweite Version dieses Beitrags.
In der ersten habe ich mich in einer aufrichtigen, all das bewundernde Zergliederung ergangen.
Ich fasse mich daher diesmal kurz:
All das ist Schönheit! Und davon will ich erzählen.
Wie komme ich dazu?
Ich bin Hobby-Fotografin und ich probiere mich auch darin, Menschen zu fotografieren.
Ich stelle fest, dass mich an Menschen ganz unterschiedliche Dinge locken können.
Im wesentlichen zwei Kategorien – die Grenzen sind fließend.
Kategorie 1 – „Typensache“
Es gibt – unabhängig vom Alter – einfach Menschen, die mir auffallen.
Das sind mal relative junge Männer und Frauen… So zwischen 20 und 30 (die sich oft gar nicht erst trauen – auch wenn die Portraits überhaupt nicht veröffentlicht werden sollen).
Und mal deutlich „ältere“ (die sich öfter trauen, aber sich fast nie melden, um ihre Bilder zu bekommen).
Diese beiden Gruppen verbindet, dass sie der Archetyp einer bestimmten Erscheinungsform zu sein scheinen.
Sie stehen in meinen Augen meist gleich für einen ganzen Haufen Menschen, den sie durch ihre ganz eigene Ausstrahlung auf eine sehr persönliche Art vertreten.
Kategorie 2 – Die „Causa pulchritudo“((Die Ursache der Schönheit))
Schönheit ist für mich, spätestens seit ich eine Kamera habe, nichts oberflächliches mehr.
„Hübsch“ und „schön“ sind nicht synonym verwendbar.
Junge Menschen sind hübsch. Und schön werden sie mit den Jahren und mit dem Witz, den sie sich dabei erwerben.
Schönheit hängt für mich außerdem oft an den Menschen selbst und meiner persönlichen Verbindung zu ihnen – wenn ich eine habe.
Zum Beispiel: Menschen, mit denen ich mich verbunden fühle, deren Gesellschaft ich teilen darf, empfinde ich ausnahmslos als schön.
Ich denke, es liegt ein Stück daran, dass ich genug Zeit mit Ihnen verbringen darf, um sie glücklich zu erleben. Oder sie lachen zu sehen.
Menschen die ich dagegen nicht kenne und zu denen ich auch keine persönliche Bindung habe, empfinde ich als schön, wenn sie eine besondere Ausstrahlung und besondere, persönliche Merkmale besitzen.
Auch hier spielt eine Rolle, wie ich sie erlebe, wenn wir uns begegnen.
Es kommt beispielsweise vor, dass jemand, der schon fast an mir vorüber ist und ganz brummig und verschlossen wirkt, in dem Sekundenbruchteil gerade zu aufblüht, in dem ein ehrliches, herzliches Lächeln meinen Gruß beantwortet.
„Plötzlich“((Sie haben sich ja nicht für mich verwandelt. Ich erlebe nur plötzlich eine andere Facette von ihnen.)) sind diese Menschen ein Kunstwerk.
Plötzlich erlebe ich ganz persönliche und einmalige äußere Merkmale als etwas wertvolles und untrennbar mit diesem schönen Menschen verbundenes.
Eine oblatendünne Weisheit
Ich bin froh, dass ich diesen Schatz entdeckt habe.
Wenn Du das banal findest… Ok.
Mir hat es eine ganze Welt, voll von Schönheit eröffnet, die nach meinem Erleben mit den Jahren nur reicher wird.
Ich glaube, auch ohne persönliche Bindung, dass sich in der Oberfläche eines Menschen dessen ganz eigene und besondere Lebensgeschichte widerspiegeln kann.
Das ist für mich Schönheit.
Mensch oder Mannequin
Wir leben. Und dann sterben wir.
Und all das… Unsere Haare, unsere Haut… Die Falten und Flecken und Narben.
All das sind Spuren unseres Lebens.
Diese Spuren kommen nicht von selbst!
Sie kommen mit den Jahren und mit dem Erleben.
Wir verdienen sie uns.
Wer will schon immer aussehen, wie die ewige Jugend?
Diese seltsam absurde Idee, die wir uns seit Beginn der Menschheit selbst immer wieder erzählen.
Immer jung. Immer gesund. Immer frisch. Als ginge die Zeit einfach an uns vorbei…
Wie Barbie und Ken, originalverpackt, in einem Schrank und von der Zeit vergessen und vor lauter Langeweile noch wie am ersten Tag?!
Ein gruseliger Gedanke!

Wenn schon wie Barbie oder Ken, dann mit allen Spuren, die ein gutes und interessantes Leben hinterlassen lann.
Vom Leben vermackelt und bespielt und geliebt.

(Ab)Zeichen
Sieh dir doch die Menschen an.
Deine Eltern und Großeltern. Die Menschen, die Du auf der Straße triffst und an Dir vorübergehen.
Sieh dir doch bitte diese Hände an.
Schwielige Hände, die schwer gearbeitet haben… Oder die vom Putzen und Waschen und Spülen rissig geworden sind…
Hände, die Kinder gewiegt haben und Hände, die Erde in die Gräber geliebter Menschen warfen.
Hände erzählen Geschichten.

Sieh dir doch die Falten um die Augen, den Mund und auf der Stirn an.
Wovon erzählen sie? Von unbeschwertem Lachen oder von tiefer Gram und Sorgen?
War dieses Gesicht viel an der Sonne? Im Wind? Oder viel in Büros oder Fabriken?

Wovon berichten die Augen? Sind sie müde vom müssen? Sind sie wach und voller Güte? Was haben sie nicht alles gesehen?
All diese Zeichen sind verdient. Sie stehen für ein Leben voller Erlebnisse.
Wenn Du und ich lang genug leben, werden wir unsere eigenen Zeichen tragen.
Und sie sind es wert, dass wir sie begrüßen und willkommen heißen.
KI. Künstliche Intelligenz.
Eine Technologie, die mit viel Aufwand darauf trainiert wird, Zusammenhänge herzustellen – ansonsten aber dumm ist, wie hundert Meter Feldweg.
Die Daten, aus denen sie lernt, sind unter anderem das Internet, Bücher, Zeitschriften, Filme und Fotos…
Milliarden von Texten. Von großer Literatur bis zum dümmstmöglichen Kommentar in sozialen Medien.
Milliarden Bilder. Videos. Töne.
Alles, was wir Menschen (die Menschheit als Ganzes) hervorgebracht und digital irgendwo abgelegt haben.
Und eine KI „versteht“ nicht. Alles ist für KI gleich richtig. Und je häufiger etwas vorgefunden wird, desto stärker ist der „gefundene“ Zusammenhang.
Ich verwende KI gerne, um meine Vorstellungen, die Bilder in meinem Kopf, als Illustration meiner Beiträge zu einer Existenzform zu zwingen, die Du dir ansehen kannst. Ich kann nun einmal nicht malen…
Eine KI ist aber nicht kreativ.
Sie ist nicht nur, trotz allem, was ihr zur Verfügung steht, dumm. Sie ist auch noch uninspiriert.
Sie schafft nicht im Ansatz die geistige Höhe echter Schöpfung. Sie ist nur ein Werkzeug.
Das gesagt habend:
Ich habe oben ein Bild einer Großmutter in den Text eingebaut.
Weitestgehend so, wie ich sie mir vorgestellt habe. Mit Merkmalen, die ich an einer Vielzahl von Menschen beobachtet habe.
Das war tatsächlich nicht leicht hinzubekommen.
Denn die KI hat auf meine Aufforderungen und meine Beschreibungen, in denen wörtlich Falten, graues Haar, schlaffe Haut, weiche Haut, Altersflecken, Übergewicht und was noch alles ebenso vorkamen wie ein gütiges Gesicht, ein wacher Verstand, wärme, Schönheit… immer nur „Modells“ hervorgebracht. Nicht unähnlich den Frauen, die uns die Werbung zeigt, wenn sie uns ewige Jugend und immerwährende Kontinenz verspricht. Oder dass uns Alter und Inkontinenz zumindest egal sein können, weil wir uns jung und kontinent fühlen können, wenn wir dies oder das kaufen.
Wieviele Versionen habe ich erzeugt, um das Bild im Text zu erhalten?
Bei 20 habe ich aufgehört zu zählen. Das war ein Geduldsspiel.
Warum erzähle ich das?
Erinnere dich: Eine KI ist nicht kreativ. Sie hat Zusammenhänge gelernt, die schon da sind. Die WIR geschaffen haben.
Und einer davon, ein besonders stabiler Zusammenhang, scheint zu sein, dass Großmütter nur noch bedingt alt aussehen dürfen, wenn sie gleichzeitig auch „schön“ sind.
Ich habe den Eindruck bekommen, dass für viele (und daher: auch für KI) „alt“ und „schön“ ein Widerspruch ist.
Und das finde ich sehr traurig.


Schreibe einen Kommentar