Portrait einer Frau mittleren Alters mit natürlicher Ausstrahlung im Halbprofil. Warmes Tageslicht beleuchtet ihr Gesicht mit

Wir

Du. Ich. Wir alle. Wir beurteilen Menschen als aller erstes nach Äußerlichkeiten. Bildlich gesprochen: Nachdem, was uns der Einband des Buches verspricht.

Aber was kommt dann? Haben wir die Gelegenheit oder den Mut, das Buch auch aufzuschlagen? Enttäuscht zu werden? Oder vielleicht sogar positiv überrascht zu werden?

Erwartungshaltungen

Das ist soweit verständlich.

Es ist eine evolutionär erworbene Eigenschaft zu unserem Schutz, dass wir auf Distanz und auf dem ersten Blick eine Situation oder Tiere und eben unter diesen: andere Menschen einschätzen können. Das geschieht auf Basis unserer bisher selbst erworbenen Erfahrungen, den Erfahrungen anderer und zu einem guten Teil auch unserer Ängste.

Das ist natürlich und nichts schlechtes. Vorurteile sind normal.

Echsenhirn und Professorenhirn

Aber was uns Menschen auszeichnet, ist die Fähigkeit, neben den der uralten Strategie „Fight or Flight“ (Kämpfen oder fliehen, eine uralte Handlungsstrategie aus einer Zeit als Hirn=Stammhirn galt. Das „Eidechsengehirn“) auch komplexe und bewusste Überlegungen anzustellen (Dinge, die uns der jüngste Teil unseres Gehirns ermöglicht. Das „Professorengehirn“).

Illustration zweier Köpfe im Profil: Links ein gestresster Mann mit flammendem Gehirn und Reptil, rechts ein entspannter älte
Von: Kay Helena (mit KI generiert)

Wir sind alle, ausnahmslos alle, in der Lage, unsere Entscheidungen bewusst zu treffen und unsere Annahmen und uns selbst immer wieder und wieder zu hinterfragen.

Wir können die Stimuli Futter und Schmerz abstrakt behandeln. Wir können Hoffnung auf Futter und Angst vor Schmerz gegeneinander abwägen.

Wir können hoffen und wagen.

Wir lernen aus Begegnungen und den Lebensgeschichten anderer.

Was wir sehen

Fotografie befasst sich praktisch nur damit, ein Bild für andere einzufangen.

Wie ein Maler arbeiten wir nicht nur mit der Form. Wir arbeiten auch mit Licht und Farbe.

Wenn wir etwas anderen zeigen, dann zeigen wir vor allem das, was wir sehen, was wir sehen wollen und auch sehr viel davon, WIE wir möchten, das andere es sehen sollen.

Was andere sehen

Wenn wir mit unserem Foto fertig sind und es zeigen, mischen sich unsere Erfahrungen, Intentionen und Gefühle mit denen des Betrachters.

Hier ein eindrucksvolles Beispiel zu dem Thema.

Erwartung ist nicht Wirklichkeit

Beeindruckt?

Als ich das Video das erste Mal gesehen hatte, war ich baff.

Vor allem, weil ich die Bildwirkung der einzelnen Portraits auf mich beachtlich fand. Und diese Wirkung basiert am Ende nur auf den Annahmen der Fotografen. Und eben nicht darauf, wie das Modell tatsächlich ist und ihn „wirklich“ beschreibt.

Wir?

Was hat das mit „Wir“ oder „Uns“ zu tun?

Große Literatur hat im Grunde nur zwei Themen: Liebe und die Angst vor dem Tod.Marcel Reich Ranicki

Wir alle sind Menschen. Wir erleben in unserem Leben im Grunde alle das selbe.

Wir erleben große Freude. Liebe. Glück. Zuversicht.

Wir erleben tiefste Trauer, Verlust, Angst.

Wir erleben Gesundheit und Krankheit.

Im Grunde sind unsere Geschichten gleich und von gleicher Bedeutung.

Wir!

All das verbindet uns. Es verbindet uns, oder sollte uns verbinden, auf eine Art und in einer Tiefe, die unüberwindbar sein sollte.

Weder unsere Ansichten noch unser Beruf kann uns unterscheiden. Nicht Bildung und auch nicht unser Glaube. Unsere Kleidung, unser Einkommen, unser Auto auch nicht. Nicht unsere Herkunft. Nicht ob und wen wir lieben. Nicht die Farbe unserer Haut, unsere Intelligenz oder das Maß, in dem wir nach Kultur oder Medizin irgendein Normal erfüllen.

Hier ist nun ein zweites Video. Dieses Video war der Anstoß zu diesen Gedanken.

Wage das Abenteuer

Du kannst in den Menschen um dich herum, denen, die du oft siehst und denen, die du nur einmal siehst, wundervolles und inspirierendes entdecken.

Und du kannst für andere ebenso wertvoll sein.

Wir, also Du und ich, jeder für sich, müssen es nur zulassen.

Wenn wir uns öffnen, für andere die Masken etwas zur Seite legen, werden wir weniger allein sein – im fairen Tausch für etwas vermeintliche Verletzlichkeit.

Das kostet Mut und Kraft und ist auch nicht immer angebracht.

Ich denke aber, wenn wir zulassen, mit unseren Ängsten nicht alleine zu sein, sind wir am Ende gemeinsam mutig.

Wer zulässt, sich nicht alleine schwach zu fühlen, ist am Ende mit vielen stark.

Kein Königsweg

Leider kann ich Dir keine Anleitung dazu geben, außer: bleib immer Du selbst.

Wichtig ist deine ganz persönliche Art. Die macht dich aus. Und sie sollte bestimmen, was Du von dir Preis gibst und wem.

Du musst dich wohl fühlen. Denn: bei allem, was du zurück bekommen wirst – erstmal investiert Du. Und zwar Kraft und, naja, Verletzlichkeit.

Avatar von Kay Helena

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