Nahaufnahme einer Tabellenkalkulation mit Zahlen und einem blauen Balkendiagramm auf einem Bildschirm. Die Daten zeigen versc

Nur ein paar Zahlen

„Du gehst mit deinem Schatz im Dunkeln durch den Park. Plötzlich springt ein Fremder aus dem Gebüsch. Eine Stunde später liegst du tot in deiner Wohnung. Wer war’s?“

Podcast

Ich habe viel Zeit, während ich im Auto sitze. Die A45 ist gnädig und schenkt mir Langsamkeit.

Daher höre ich seit einigen Monaten Podcasts.

Meine Favoriten sind zu Zeit „KI verstehen“ (Deutschlandfunk), „Forschung aktuell“ (Deutschlandfunk) und durch einen Zufallsfund „Betreutes Fühlen“ (Dr. Leon Winscheid und Atze Schröder, wobei Dr. Winscheid kein Arzt ist…).

Aus letzterem stammt das Rätsel am Anfang.

Und von dort kommen auch ein paar Zahlen, die mich neugierig gemacht haben.

Die Zahlen habe ich extra noch einmal nachgeschlagen und für Dich aufbereitet.

Vermutlich ist des Rätsels Lösung keine all zu große Überraschung mehr.

Die Zahlen

Die erste Zahl, die mich aufhorchen ließ: Es ist 14x (!!) so wahrscheinlich, durch die eigene Hand zu sterben, als durch Gewalt von anderen.

Stimmt nicht. 2024 eher 25x. Zumindest in der Aufbereitung von Destatis.

Insgesamt werden für 2024 über 1.000.0001 Sterbefälle angegeben. Und tätliche Angriffe sind mit 400 Fällen fast ganz unten in der Statistik.

Balkendiagramm zeigt Suizidrate und tätliche Angriffe nach Geschlecht und Sterbealter im Jahr 2024. Männer haben deutlich höh
Wir selbst sind eine sehr viel häufigere Ursache für unseren eigenen Tod als es irgendein Fremder, ein Attentäter oder Terrorist jemals sein könnte!
Von: Kay Helena

Worum ging es in der Podcast-Folge?

Es ging um Angst. In dem Fall, welchen Zweck Angst in unserer Evolution hatte und wo sich diese zur Zeit entlädt. Oder eher: Mangels Bären, Tigern und Wölfen gerade zu entladen muss.

Angst vor…?

Wer bei dem Rätsel zu Anfang nicht „Der Partner“ gesagt hat, hat vermutlich „Der Fremde aus dem Gebüsch“ gesagt.

Das eine, weil es als motivgetriebene Tat Teil des Abendprogramms oder einer Meldung in den Medien, also eine sehr prominente Angst sei.

Das andere, weil uns früher die Angst vor dem unbekannten und der Überraschung am Leben gehalten habe.

Und so haben wir auch heute Angst vor dem, was man uns zu fürchten lehrt und vor dem, was wir nicht kennen. Siehe „Vorurteile“.

Das wir uns selbst in Gefahr bringen, das wir sogar selbst die Gefahr sind, das ist uns als Gedanke und als Gefühl eher fremd.

Besonnen bleiben

Spätestens jetzt habe ich den Rahmen des Podcasts verlassen, der mich hierzu angestiftet hat.

Es gibt so viele reale Bedrohungen in unserem Leben.

Wir haben ein Gehirn, das seit 300.000 (oder so) „modern“ ist. Und wir sind inzwischen von Gefahren umgeben, die zu erfassen dieses Hirn nicht gemacht und nicht gewohnt ist.

Unsere Bären, Wölfe und Tiger heißen jetzt Krankheit, Klima, Ressourcen, Unsicherheit (z.B. ob wir arbeiten finden oder behalten), Stress in jeder Form.

Da, wo das Gehirn weder fliehen noch kämpfen kann, ist es einfach mit dem Latein am Ende. Das Gehirn als solches möchte sich anpassen – kann aber vermutlich auch nicht zaubern.

Da beginnt, denke ich, was eine psychische Krankheit werden kann.
So sind das Burnout-Syndrom, Depressionen aller Art & Co. inzwischen Volkskrankheiten, über die man nicht spricht.
Andere behaupten schließlich auch, sie kämen klar.2

Sei’s drum. Vermutlich muss sich unsere evolutionäre Angst irgendwo ihren Weg suchen und uns vor irgendwas warnen. Aber wenn die Angst ruft „Da! Der! Gefahr!“… Nunja. Da müssen wir besonnen bleiben.

An diesem Punkt müssen wir „zivilisiert“ bleiben.

Zivilisation

Wir sind keine Tiere im eigentlichen Sinne. (Doch. Sind wir. Aber zumindest behaupten wir ganz gerne, dass wir es nicht sind.)

Eine Archäologin, deren Namen ich nicht mehr erinnere, sagte einmal, die Wiege der Zivilisation war das erste geschinte Bein.

Das erste Mal, das ein Mensch, von Wildnis umgeben, einen anderen Menschen geheilt hat.

Das erste Mal, das es ein „Füreinander“ gab.

Das alles, befürchte ich, geht – vielleicht – an einer Gegenwart zugrunde, die sich aus Überdruck- und Kurzschlußängsten heraus immer weiter in sich und von anderen zurückzieht.

Und ja: Auch das ist eine Angst, die sich womöglich nur Raum verschafft und vor einem unbekannten Morgen fürchtet, in dem es einfach nur anders ist, als heute.

Und jetzt?

Ich muss das doch alles geschrieben haben, um zum Schluss mit einer total einfachen Antwort zu helfen, oder?

Nope. Sorry.

Die Antwort auf das Rätsel vom Anfang ist: „Du selbst“. Also passe bitte sehr gut auf dich selbst auf. Du bist wichtig und nicht zu ersetzen.

„Die Antwort auf das Leben, das Universum und das alles“ ist noch immer 42.

Und die Antwort von diesen vielen Wörter ist: Du hast Angst. Ich habe Angst. Alle haben Angst. Das ist nicht schlimm – wenn wir zulassen, das Verstand und Gefühl gleichberechtigt in uns sind.

Ich denke, wo der Verstand nicht reicht, sollten wir fühlen.

Und da, wo Gefühle uns unverständig machen, müssen wir dem Verstand eine Chance geben.

(Bei der Wiederherstellung meiner gecrashten Website habe ich die Zahlen in diesem Beitrag von 2022 auf 2024 aktualisiert.)

  1. 1.007.758 []
  2. Wer behauptet, unter Druck entstehen Diamanten, hat oft in Wirklichkeit einfach nur sehr festen Stuhl. []
Avatar von Kay Helena

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