Spazierengehen im Park

„Man könnte viele Beispiele für unsinnige Ausgaben nennen, aber keines ist treffender als die Errichtung einer Friedhofsmauer. Die, die drinnen sind, können sowieso nicht hinaus, und die, die draußen sind, wollen nicht hinein.“

Mark Twain

Über die Mauer kann man streiten. Aber nicht darüber, ob man dort hinein möchte.
Ich zumindest bin gerne dort.

Der erste Impuls beim Thema Friedhof ist in der Regel nicht „Au ja! Lass uns da hingehen!“…
Aber lass mich erklären.

Unsere Zeit ist laut geworden. Und hektisch. Alles. Immer. Sofort.
Manchmal möchte ich dem entkommen. Und irgendwann bin ich zufällig auf einem Friedhof gelandet.

Sieh es mal so:
Ohne die Toten und ohne die Hinterbliebenen wäre ein Friedhof ein sehr stiller Park, in dem, wie an kaum einem anderen Ort, Stille und Rücksichtnahme vorherrschen.

Niemand spricht mich an. Ich habe – selbstverständlich! – mein Handy lautlos geschaltet. Ich muss nicht sprechen. Ich muss nirgendwo hin.
Es ist alles sauber und gepflegt. Und sogar die Tiere sind so ungestört, dass sich dort allerlei Vögel und Eichhörnchen beobachten lassen.

Und wenn ich nicht mehr sitzen mag, gehe ich die Reihen ab.
Ich lese die Namen und die Jahre. Manchmal verrät ein Grab sehr viel – ein Bergmann, eine Witwe, die nun wieder bei ihrem Mann liegt, ein Fußballfan, ein viel zu junges Kind, ein alter Greis…
Auch die Zeichen, die an den Gräbern angebracht sind, sagen einiges aus. Und der Erhaltungszustand.
Jemand, dessen Grab schon nach zwei Jahren völlig überwuchert ist, ist entweder zeitlebens sehr einsam gewesen oder in der Fremde gestorben. Jemand, dessen Grab auch nach Jahrzehnten gepflegt wird, wird vermutlich das Gegenteil von beidem sein.

Nachdem ich einige Zeit auf dem Friedhof verbracht habe, merke ich, dass ich mich verändere.
Ich werde lockerer. Ruhiger. Friedlicher.
Ich kann meine eigenen Gedanken wieder hören.
Es ist wirklich erstaunlich, was solch ein Ort mit einem machen kann.

Wenn ich dann endlich wieder in die Welt der Lebenden zurückgehe, bin ich außerdem reichlich daran erinnert, dass unser Leben kurz und kostbar ist.
Ab und zu wieder darauf eingenordet zu werden ist heilsam.

So oder so ähnlich

So oder so ähnlich sollte der Blogbeitrag weitergehen.
Wohlmeinend. Und vermutlich auch ein wenig belehrend.
Beigeistert. Und wohl auch etwas trocken.

Dabei wollte ich niemanden belehren. Es geht mir um Folgendes:
Ich habe einen Ort gefunden, an dem ich Ruhe finden kann. Ruhe von allem, der Welt und dem Lärm. Umsonst und Draußen.

Und es ist ein bemerkenswerter Ort.
Aber sicher nicht der einzige seiner Qualität.
Du musst nicht auf den Friedhof gehen, um Ruhe zu finden. Es kann für dich an ganz anderen Orten genau so gut funktionieren.
Und das hat mich neugierig gemacht. Was ist dein Ruheort?

Du kannst mir gerne einen Kommentar dalassen und von deinem Ruheort berichten.

Avatar von Kay Helena

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