Es gibt so viele schöne Filterfunktionen da draußen.
So viele Presets.
So viel… So viel, was lockt, es auch können zu wollen…
Aber lass dir von einer mit Sauklaue sagen, dass eine eigene Handschrift geübt werden möchte.
Was möchtest du?
Es spricht überhaupt nichts dagegen, dir einen dieser Filter auszusuchen und zu verwenden.
Von „ein bißchen…“ bis „volles Rohr!“.
Allerdings kann ich über die Arbeit mit Filtern und Presets nichts sagen.
Das musst Du dann selbst für dich herausfinden oder woanders nachschlagen.
…Also fange ich mal anders an:
Sagen wir mal, Du möchtest nichts inszenieren, was gar nicht da war, als Du das Fotos gemacht hast.
Sagen wir mal, Du möchtest das Motiv nur wertschätzend hervorheben.
„Tue weniger und erreiche mehr.“Vedische Weisheit
Dann kann ich dir Rat geben.
Shit in – Shit out
Bitte halte dir vor Augen, dass Du mit Bildbearbeitung – und neuer Dings auch KI – eine Menge aus Bildern herausholen kannst, die weniger als Top sind.
Das ist auch gut so.
Aber Du kannst damit kein Top-Bild ersetzen.
Ein gutes Bild beginnt mit einem in vielerlei Hinsicht gutem Foto. (Dazu habe schon ein paar Beiträge geschrieben.)
Nimm ein Bild, dass dich persönlich anspricht, das gefällig komponiert und klarer Aussage ist. Eines, in dem die Schärfe nach Punkt und Tiefe stimmt.
Hier habe ich ein Beispiel.
Links die Originalfassung aus der Kamera. Aufgenommen habe ich es morgens bei dürftigen Lichtverhältnissen im Wald und Freihand.
Ich habe also die Belichtungsdauer klein gehalten, um nicht zu verwackeln.
Das sieht man auch dem fertigen Bild an.
Außerdem ist im Vordergrund ein weiterer Pilz. ich wünschte, ich hätte eine andere Chance gehabt – aber den Pilz abbrechen, um ein besseres Foto zu machen… Es wäre definitiv ein „schlechteres“ Bild geworden.
Trotzdem mache ich hiermit den Anfang.
Worauf kommt es an?
Das Bild soll dem Auge gefallen. Es sollte, meiner Meinung nach, einladen und schmeicheln.
Höhen – Tiefen – Mitten
Das menschliche sehen ist ein relatives sehen.
Anders als, beispielsweise, unsere Kameras, die im Dämmerlicht schnell an ihre Grenzen kommen, können wir mit unseren Augen und Gehirnen noch etwas sehen. Weil wir nicht „hier ist hell und da ist dunkel“ (absolut), sondern „hier ist heller und da ist dunkler“ (relativ) sehen.
Wir sind daran gewöhnt.
Es macht also durchaus sinn, in einem Bild – wenn das Motiv es hergibt – recht helle und recht dunkle Bereiche und alles dazwischen zu haben.
Sprich: Alles, was uns die absolute Breite eines Histogramms zur Verfügung stellt.
Die horizontale Achse eines Histogramm sagt aus, ob von einer Farbe helle Werte (rechter Rand) und dunkle Werte (linker Rand) vorhanden sind – und wie häufig sie sind (vertikale Achse).
Spiele einfach ein wenig damit. Probiere es aus.
In meiner Software stehen mir hierfür mehrere Regler zur Verfügung.
- Helligkeit
Benimmt sich etwa so, als würdest du mit ISO-Werten oder Belichtungszeiten spielen.
Das Histogramm wird scheinbar als Ganzes verschoben. - Kontrast
Hiermit wird das Histogramm breiter oder schmaler.
Ein hoher Kontrast im Bild drückt sich durch ein breiteres Histogramm aus. - Schwarz bzw. Weiß
Der Name ist Programm.
Hiermit kannst du die Außengrenzen des genutzten Histogrammbereichs verschieben. Hiermit steuerst Du, dass dir nicht durch deine Bearbeitung Bereiche im Schwarz oder Weiß absaufen. - Höhen bzw. Tiefen
Das kleine Schwarz und Weiß.
Damit kannst Du Steuern, was im Licht und im Schatten passiert.
Hier kommt das relative sehen zum Ausdruck.
Für mich, für meinen persönlichen Geschmack, kommt es gut hin, wenn ich Erst mit dem Kontrast spiele. Meist stelle ich ihn etwas hoch.
Als nächstes stelle ich Sicher, dass es wirklich helle (Weiß-Regler) und dunkle Bereiche (Schwarz-Regler) gibt.
Das Resultat ist zu diesem Zeitpunkt oft auf der einen Seite zu hell und auf der anderen zu dunkel. Daher regle ich mit Höhen wieder etwas runter und mit den Tiefen etwas hoch.
Wenn es gut läuft, habe ich nun ein Bild, dass einen schönen, breiten Bereich des Histogramms abgedeckt.
Es ist erst einmal nicht wichtig, wie hoch die Kurven sind – das wird am allermeisten von deinem Motiv bestimmt. Wichtig ist die Verteilung auf deinem Bild, um unserer Relativsehgewohnheit zu gefallen.
Wärme
Die Wärme deines Bildes macht viel Stimmung aus.
Warme Bernsteintöne, warmes Licht. Oder Kalte, blaue Töne.
Es ist eine Sache der Stimmung. Eine Sache der Szene.
Hierzu habe ich keine fixe Vorgehensweise.
Was aber erwähnenswert ist:
Es kann – je nach Programm und Geschmack – notwendig sein, einzelne Farben oder Farbbereiche gegenzukorrigieren.
Ich mag es zum Beispiel nicht besonders, wenn mir Wiesen zu gelbgrün werden – ich mag aber sehr wohl warme, goldene Töne.
Das Widerspricht sich eigentlich und erfordert weitere Eingriffe.
Wenn Du also mit der Wärme spielst, nicht erschrecken.
Und es wird eine Lösung für dich geben.
Farbigkeit oder Sättigung
Ich sag es gleich…
Sättigung wird überbewertet.
Ich spiele gerne mit einem Regler, der sich meist in der Nähe der Sättigung befindet: Dynamik. Manchmal heißt er auch „Vibrance“.
Während Sättigung, finde ich, viel kaputt macht, indem es die natürlichen Farben, die von der Kamera aufgezeichnet werden, in Richtung erkannbare verhunzter Bilder in RGB-Farben schlechter Computerspiele der 90er drückt…
Dynamik überzeichnet nicht die Farben – es zeigt einfach nur mehr Nuancen der vorhandenen Farben.
Schärfen
Ja. Gerne.
Aber nicht sooo dolle.
Wie gesagt, die eigentliche Schärfe kommt aus dem Moment, in dem Du dein Foto aufnimmst.
Hier kannst höchstens noch ein „knack“ vor das „scharf“ schreiben.
Es gibt allerdings auch eine Menge Beispiele für „kaputtgeschärfte“ Bilder.
Welches Programm?
Ich habe vor allem mit Produkten von Adobe gearbeitet. Tendenziell sehr mächtige Programme. Zum Beispiel kann Photoshop ganz viel ganz verrücktes Zeug.
Hängengeblieben bin ich aber bei Lightroom, inzwischen sogar bei der Lightroom-App.
Ich bearbeite meine Fotos auf dem Handy. Das ist ohne weiteres möglich und gar nicht so unkomfortabel.
Es wird aber auch genügend alternativen zu Lightroom oder generell Adobe geben.
Namentlich bekannt ist mir zum Beispiel GIMP.
Beispiele
Bei beiden Beispielen habe ich die oben beschriebenen Schritte unternommen. Immer mit dem Ziel, das natürliche Erscheinungsbild beizubehalten.
Und jetzt Du
Dir ist sicherlich aufgefallen, dass ich alles und nichts geschrieben habe.
Vor allem habe ich dir keine Zahlen genannt oder dich sonst wie eingeengt. Du hast nur ein paar Tipps bekommen.
Und jetzt musst Du herausfinden, was Du damit machst.
ich wünsche dir viel Spaß dabei.

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